Umsatzsteuer-ID im Onlineshop
Was sie international bedeutet und wann Rechnungen ohne Mehrwertsteuer möglich sind
Wenn du einen Onlineshop betreibst, kennst du die Situation wahrscheinlich: Ein Kunde gibt im Checkout eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ein.
Schnell stellt sich die Frage: Muss die Rechnung jetzt automatisch ohne Mehrwertsteuer erstellt werden?
Die kurze Antwort lautet: Nein.
Was sie international bedeutet und wann Rechnungen ohne Mehrwertsteuer möglich sind
Wenn du einen Onlineshop betreibst, kennst du die Situation wahrscheinlich: Ein Kunde gibt im Checkout eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ein.
Schnell stellt sich die Frage: Muss die Rechnung jetzt automatisch ohne Mehrwertsteuer erstellt werden?
Die kurze Antwort lautet: Nein.
Wenn dein Onlineshop und dein Kunde im selben Land sitzen, wird in der Regel immer die Mehrwertsteuer des jeweiligen Landes berechnet, auch wenn eine Unternehmens- oder Steuer-ID angegeben wurde.
Dieser Artikel erklärt einfach und praxisnah, wie sich Unternehmens- und Steuer-Identifikationsnummern im DACH-Raum (Deutschland, Österreich und Schweiz) im Onlinehandel verhalten.
Unterschiedliche Begriffe im DACH-Raum
Im Alltag sprechen viele einfach von der Umsatzsteuer-ID. Tatsächlich unterscheiden sich die offiziellen Bezeichnungen jedoch je nach Land.
Deutschland
Hier heisst sie Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, USt-IdNr.
Sie wird vor allem benötigt, wenn Unternehmen grenzüberschreitend innerhalb der EU handeln. Informationen zur Nutzung und Beantragung stellt das Bundeszentralamt für Steuern bereit (Quelle).
Österreich
In Österreich wird sie UID-Nummer, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, genannt.
Die Funktion ist praktisch identisch mit der deutschen USt-IdNr. Auch hier dient sie vor allem der Abwicklung von EU-Geschäften zwischen Unternehmen. Hintergrundinformationen zur Umsatzsteuer bei Auslandsgeschäften stellt die Wirtschaftskammer Österreich bereit (Quelle).
Schweiz
Die Schweiz gehört nicht zur EU und verwendet ein eigenes System.
Hier gibt es zwei relevante Nummern:
MWST-Nummer: Mehrwertsteuernummer für steuerpflichtige Unternehmen.
UID: Unternehmens-Identifikationsnummer für die eindeutige Identifikation von Firmen.
Informationen zum Schweizer Mehrwertsteuersystem und zu steuerbefreiten Exportlieferungen stellt die Bundesverwaltung bereit (Quelle).
Der wichtigste Grundsatz im Onlinehandel
Für Shop-Betreiber gilt eine einfache Regel:
Wenn Shop und Kunde im selben Land sitzen, wird immer die Mehrwertsteuer berechnet. Das gilt unabhängig davon, ob der Kunde eine Unternehmensnummer angibt oder nicht.
Ein deutscher Onlineshop verkauft an ein deutsches Unternehmen > 19 Prozent Mehrwertsteuer
Ein österreichischer Shop verkauft an ein österreichisches Unternehmen > 20 Prozent Umsatzsteuer
Ein Schweizer Onlineshop verkauft an ein Schweizer Unternehmen > 8.1 Prozent Mehrwertsteuer
Wann Rechnungen ohne Mehrwertsteuer möglich sind
Es gibt allerdings Situationen, in denen eine Rechnung tatsächlich ohne Mehrwertsteuer ausgestellt wird. Diese Fälle betreffen fast immer grenzüberschreitenden Handel.
Beispiel: Ein deutscher Onlineshop verkauft an ein Unternehmen in Österreich.
Voraussetzungen:
- Die Ware wird tatsächlich in ein anderes EU-Land geliefert
- Der Käufer besitzt eine gültige Umsatzsteuer-ID
- Die ID wird geprüft
- Die Lieferung wird korrekt dokumentiert
In diesem Fall greift das sogenannte Reverse-Charge-Verfahren.
Der Verkäufer stellt eine Netto-Rechnung, während der Käufer die Steuer im eigenen Land erklärt.
Unternehmen können Umsatzsteuer-IDs innerhalb der EU über das offizielle VIES-System der Europäischen Kommission prüfen (Quelle).
Zusätzlich müssen Unternehmen bei solchen Geschäften verschiedene Meldepflichten erfüllen, etwa die Zusammenfassende Meldung gegenüber den Steuerbehörden (Quelle).
Export in ein Nicht-EU-Land
Wenn Waren in ein Land ausserhalb der EU geliefert werden, spricht man von einer Ausfuhrlieferung.
Typische Beispiele:
- Lieferung von Deutschland oder Österreich in die Schweiz
- Lieferung in die USA
- Lieferung nach Grossbritannien
Solche Lieferungen können ohne Mehrwertsteuer erfolgen, sofern der Export korrekt dokumentiert wird. Dazu gehört in der Regel ein Ausfuhrnachweis über die Zollabwicklung (Quelle).
Steuerlicher Hintergrund kurz erklärt
Die Umsatzsteuer wird grundsätzlich dort erhoben, wo die Leistung steuerlich als erbracht gilt. Für den klassischen Onlineshop bedeutet das:
- Wenn Verkäufer und Käufer im selben Land sitzen, entsteht der Umsatz im Inland und unterliegt automatisch der jeweiligen Mehrwertsteuer.
- Eine Unternehmens- oder Steuer-ID allein verändert diese Situation nicht.
Erst wenn ein grenzüberschreitender Handel zwischen Unternehmen stattfindet, greifen besondere Regelungen wie das Reverse-Charge-Verfahren.
Typische Fehler im Checkout von Onlineshops
Viele Onlineshops behandeln Unternehmens- oder Umsatzsteuer-IDs technisch falsch.
Häufige Probleme sind zum Beispiel:
- Die Mehrwertsteuer wird automatisch entfernt, sobald eine
- Umsatzsteuer-ID eingegeben wird
- Das Land des Kunden wird nicht korrekt geprüft
- Die Umsatzsteuer-ID wird nicht validiert
- Die steuerliche Logik im Checkout ist nicht sauber hinterlegt
Gerade bei internationalen Verkäufen kann das später zu steuerlichen Problemen oder falschen Rechnungen führen und damit leider auch zu erhöhten Kosten an dein Steuerbüro.
Praxis-Tipp für dich als Shop-Betreiber, wenn du international tätig bist
Eine saubere Steuerlogik im Onlineshop sollte immer drei Dinge prüfen:
- Land des Kunden
- Unternehmens- oder Umsatzsteuer-ID
- Gültigkeit der ID
Erst wenn alle Voraussetzungen für eine innergemeinschaftliche Lieferung erfüllt sind, darf eine Rechnung ohne Mehrwertsteuer erstellt werden.
Für EU-Geschäfte ist dabei insbesondere die Prüfung der ID über das offizielle VIES-System der EU sinnvoll.
Wichtiges Fazit
Die Angabe einer Umsatzsteuer-ID oder Unternehmensnummer bedeutet nicht automatisch, dass eine Rechnung ohne Mehrwertsteuer erstellt werden darf.
Solange dein Onlineshop und dein Kunde im selben Land sitzen, gilt immer die normale Mehrwertsteuer des Landes.
Eine steuerfreie Rechnung ist in der Regel nur möglich bei:
innergemeinschaftlichen Lieferungen zwischen Unternehmen innerhalb der EUExporten in Nicht-EU-Länder
Für Betreiber von Onlineshops lohnt es sich daher, die Steuerlogik im Checkout sorgfältig einzurichten, damit Rechnungen korrekt erstellt werden und spätere steuerliche Probleme vermieden werden.
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